Die Angst der ostdeutschen Agrarfunktionäre vor Diskussion und Aufdeckung

Die ostdeutsche „Bauernzeitung“ ist die Zeitung der ostdeutschen Landesbauernverbände, beide Institutionen mit einer unrühmlichen DDR- Vorgeschichte.
Der Chefredakteur der Bauernzeitung, Tanneberger, hat in Heft 34/2014 einige Äußerungen des agrarpolitischen Sprechers der bündnisgrünen Bundestagsfraktion, Friedrich Ostendorf, kommentiert.
Ostendorf, seit 2002 mit Unterbrechungen für die Grünen im Bundestag, hatte vor kurzem erstmals den Problemkreis der ostdeutschen Landwirtschaft angesprochen. Er forderte dabei eine Aufarbeitung der gesamten Geschichte der Umwandlung der DDR-Landwirtschaft und der Privatisierung durch die BVVG.
Ostendorf stellte weiterhin fest, daß Teile der alten Eliten dabei ihre Pfründe über Seilschaften gesichert hätten und sich heute als Besitzer und Leiter riesiger Agrarunternehmen und als Funktionäre in Verbänden wiederfänden, mit einem großen Rückhalt in Ministerien und Verwaltung.
Der Bauernzeitungsredakteur Tanneberger hat nun seine eigene Weise Ostendorf verzerrt zu zitierten und Ostendorfs Äußerungen sinnentstellend als „PR-Gag“ zu charakterisieren. Dabei hat die Bauernzeitung über mehr als ein Jahrzehnt den Ausverkauf der ostdeutschen Landwirtschaft an externe, ortsfremde Investoren ignoriert. Dieser beruht auf der Art der Privatisierung vor allem durch die BVVG, die Ostdendorf kritisiert. In Westdeutschland gibt es nichts Vergleichbares. Als Modell gegen den Ausverkauf schlägt Redakteur Tanneberger allen Ernstes die Zusammenfassung und Kooperation zu noch größeren Betrieben in Ostdeutschland vor. Dabei sind es doch die Großbetriebe, die für Investoren interessant sind. Der Chefredakteur der Bauernzeitung plädiert also für einen weiteren noch verstärkten Ausverkauf der ostdeutschen Landwirtschaft. Dieser sachliche Unsinn ist die eine Seite des Kommentars des Chefredakteurs der Bauernzeitung. Verräterisch ist es, daß die Forderung eines einzelnen Bundestagsabgeordneten zur Aufarbeitung, Überprüfung und gegebenenfalls Korrektur der ostdeutschen Agrarentwicklung, eine wahrhaftig überfällige Forderung angesichts des Ausmaßes an Korruption, den Journalisten Tanneberger zu einen solch hasserfüllten und überdrehten Kommentar veranlassen. Daraus kann man eine Schlussfolgerung ziehen:
Die agrarpolitischen Akteure in Ostdeutschland haben große Angst vor einer Aufarbeitung und sind bemüht, diese schon im Keim zu verhindern.

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