Anthropogener  Klimawandel: Eine Studie in der Zeitschrift Science zeigt neue Handlungsoptionen

Wenn man das Hauptthema in den etablierten Medien wie öffentlich-rechtlicher Rundfunk, FAZ, Zeit, SZ, Spiegel und Welt bewundern konnte, so war dies die Bombardierung mit dem Themen anthropogener Klimawandel, mit „Fridays for Future“ und Ausstieg aus der Verbrennung fossiler Energien.

Seit Kurzem wird auch von Politikern wie Angela Merkel oder Journalisten wie Anne Will, die Jahrzehnte lang zu diesem Thema nichts beizutragen wußten, gefordert, daß möglichst sofort und möglichst vollständig auf die Verbrennung von Kohle, Erdöl oder Erdgas zu verzichten sei, um durch eine reduzierte CO2– Emission den „Klimawandel“ aufzuhalten. Nun ist bei diesem interessegeleiteten Dauerbeschuss in der amerikanischen Zeitschrift Science ein Artikel erschienen (Bastin et al., 2019, 365, S- 76- 79), der diesen medialen Hype aushebeln könnte. Bastin et al. (2019) haben mit einem bildgebenden Verfahren ermittelt, daß weltweit zusätzliche Flächen im Umfang von 900 Millionen ha für Aufforstung zur Verfügung stehen. Dabei errechneten sie, daß mit einem ausgewachsenen Baumbestand zusätzlich weltweit 0,205 [kg C*1015] an Kohlenstoff gebunden werden könnten, was nach Bastin et al (2019) zu einer Reduktion der atmosphärischen CO2– Konzentration um 20% führen würde. Was Bastin et al. (2019) dabei noch nicht einmal berücksichtigt haben, ist die Tatsache, daß durch die erhöhte CO2-Assimilation der Bäume ein Teil des gebildeten organischen Kohlenstoffs schließlich im Humus des Bodens gespeichert wird. Dieser Teil ist im Mittel um den Faktor 4- 7 höher als das in den Bäumen gespeicherte C (Gerke, 2019, ostdeutsche-bodenpolitik.de vom 9.7. 2019). Das C- Speicherungspotential von Neuaufforstungen ist also beträchtlich.

Nun können die etablierten Medien diesen Science Artikel nicht gänzlich ignorieren, obwohl er die aktuelle CO2-Emissionsvermeidungspropaganda als Show entlarvt, die vor allem damit beschäftigt ist, die Verbrennung von Kohle, Erdöl, Erdgas als Frevel zu erklären.

Die medialen Experten, die Bastin et al. (2019) in den etablierten Medien demontieren sollen, kommen offenbar vom „Mercator Research Institute on global commons and climate change, Felix Creutzig für Tagesschau.de und für ein Interview in der Zeitschrift Cicero vom 5.7. 2019 Sabine Fuss. S. Fuss hat Internationale Volkswirtschaftslehre studiert. Deswegen ist es erstaunlich, daß sie in der Zeitschrift Cicero zu C- Bilanzen, ihre Messung und Interpretation befragt wird.

Das Frage-Antwort- Spiel in Cicero dazu ist beinahe skurril. Da stellt gleich zu Anfang der Interviewer fest, daß Bäume CO2 speichern. Dies lerne man bereits in der Schule (sic!) und S. Fuss antwortet darauf prompt, daß Bäume CO2 speichern, wissen wir schon seit langem.

Unklar ist, wer das „Wir“ sein soll. Evident ist jedoch, daß Bäume kein CO2 speichern. Bäume speichern C in organischer Form, im Holz als Cellulose und als Lignin; in anderen Pflanzenorganen auch als Eiweiße, Lipide, Wachse und anderen organischen Inhaltsstoffen.

Damit hat sich sowohl der Interviewer als inkompetenter Journalist diskreditiert, als auch die vermeintliche Expertin als unfähig erwiesen, das Thema zu beurteilen.

In einem umfassenderen Kontext sollte die Frage gestellt werden, ob die fossile Verbrennung allein, oder ob fossile Verbrennung zusammen mit großflächiger Landdegradation oder ob vor allem die Landdegradation mit dem Humusabbau für den CO2– Konzentrationsanstieg in der Atmosphäre verantwortlich ist.

Das Interview in Cicero hat ersichtlich die Funktion, die Bedeutung der Science Studie herunterzuspielen, die Bedeutung von Aufforstung und Bodendegradation als weniger wichtig zur Seite zu schieben.

Die Zeitschrift Cicero befindet sich mit diesem Interview auf der Höhe der medialen Verwirrung.

Cicero ist nicht das einzige etablierte Medium, das im Zusammenhang mit der Studie von Bastin et al. (2019) von CO2– Speicherung durch Bäume spricht oder schreibt.  Diese Formulierung taucht auch in der Berichterstattung des Deutschlandfunks auf, im Online-Auftritt der ZDF-Nachrichtensendung Heute am 6.7. 2019, in Tagesschau.de vom 4.7. 19, in einer Reihe von Zeitschriften, Spiegel, Zeit-online, SZ-online, Handelsblatt, und einer Reihe von Tageszeitungen um den 5.7. 2019 herum, häufig in der Formulierung: „Bäume sind natürliche CO2– Speicher“.

Auch die taz hielt sich nicht zurück und veröffentlichte am 7.7 2019 ein Interview mit einer „Expertin“ von Hause aus Soziologin, daneben Naturpädagogin und Waldreferentin bei Robin Wood. Diese belehrt uns in eindrucksvoller Weise darüber, daß alte Wälder viel mehr CO2 speichern! Danach schließt man sich einer so ausgewiesenen Fachexpertin in der Schlussfolgerung – Aufforstung allein bringt nichts – vielleicht doch nicht mehr ganz so schnell an.

Wenn bei nächsten Mal die etablierten Printmedien oder der öffentlich-rechtliche Rundfunk über Fake-News und die Frage, was man dagegen tun kann, berichten, so sollte diesen Medien empfohlen werden, bei sich selbst anzufangen. Und eine letzte  Erkenntnis ist: Wenn die etablierten Medien schon bei klar auf ihre Richtigkeit zu erkennenden Sachverhalten scheitern, wie ist es dann erst bei komplexen und nicht eindeutig zu klärenden Phänomen?

 

 

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