Archiv des Autors: Jörg Gerke

Regenerative Landwirtschaft“ – Versuch der globalen Neuausrichtung unserer Lebensmittelversorgung

„Regenerative Landwirtschaft“: unter diesem Namen und dem Deckmantel von Nachhaltigkeit bereiten die großen Nahrungsmittelkonzerne, Rohstoffhändler und der Lebensmittelhandel eine globale Neuausrichtung der Nahrungsmittelerzeugung vor!

Welche Bedeutung die „regenerative Landwirtschaft“ in Zukunft erhalten könnte, zeigt sich nicht an der Anzahl wissenschaftlicher Artikel zu diesem Stichwort, auch nicht an der Anzahl der gesendeten Beiträge dazu, zum Beispiel auf YouTube, sondern daran, welche wirtschaftlichen Akteure „regenerative Landwirtschaft“ antreiben und welche Kriterien mit diesem Begriff überhaupt verbunden sind. 

Ein Schlüsselbeitrag dazu ist auf der Wirtschaftsseite Forbes.com am 19.08.2021 veröffentlicht, von J. Uldrich, einem „Forbes Council Member“ mit der merkwürdigen Zuschreibung „führender globaler Futurist“ (leading global futurist). Der Titel: „Regenerative Agriculture: The Next Trend in Food Retailing“ verrät schon, daß es um Handel und Vermarktung geht, nicht um Nachhaltigkeit. 

Uldrich bringt einige interessante Zahlen dazu, welche globalen Firmen in Zukunft auf wieviel Flächen den Anbau von „regenerativer Landwirtschaft“ organisieren werden. General Mills:1 Millionen Acres, PepsiCo: 7 Millionen Acres, Cargill bis 2030:10 Millionen Acres, Walmart: 50 Millionen Acres, andere globale Nahrungsmittel Verarbeiter wie Danone und Unilever wollen auch in diesen Bereich gehen, noch ohne Flächenangaben. Ein amerikanischer Acre entspricht rund 0,4 Hektar.  Um die Zahlen zur Entwicklung der „regenerativen Landwirtschaft“ einordnen zu können: Der langfristig gewachsene organische Landbau in den USA bewirtschaftete 2022 eine Flächen von rund 5 – 5,5 Millionen Acres, also weit weniger als ein Zehntel der geplanten Flächen für „regenerative Landwirtschaft“. 

Das Problem der „regenerativen Landwirtschaft“ ist, daß diese Form der Landbewirtschaftung weder sicher bestimmt ist, und schon gar nicht definiert ist, was „regenerative Landwirtschaft“ ist. 

Organischer Landbau ist im Gegensatz dazu recht präzise definiert durch den Verzicht auf mineralische Stickstoffdünger aus dem Haber-Bosch-Verfahren, dem Verzicht auf organische Pestizidwirkstoffe und in der Folge durch vielfältige Fruchtfolgen mit Leguminosen als zentralen Früchten, die damit auch Vielfalt in die Anbausysteme bringen. 

Um die Frage nach dem, was „regenerative Landwirtschaft“ ist, zu beantworten, haben mehrere US-Wissenschaftler eine Literatur- und Internetrecherche durchgeführt. Sie sammelten 229 wissenschaftliche Artikel aus Peer-begutachteten Zeitschriften aus dem Zeitraum 1982 – 2019 über „regenerative Landwirtschaft“ (regenerative agriculture), weiterhin 25 „Praktiker-Webseiten, die sich mit „regenerativer Landwirtschaft“ befassen (Newton et al., 2020). 

Die Auswertung der 229 Wissenschaftsartikel zeigt, daß es praktisch keine gemeinsamen Kriterien für eine „regenerative Landwirtschaft“ gibt. Die Autoren listen über 40 Begriffe auf, die zur Charakterisierung von „regenerativer Landwirtschaft“ herangezogen werden und zeigen, daß für die meisten der Begriffe zwischen zwei und 25 Prozent der Artikel diese Begriffe auflisten (Newton et al., 2020). Das bedeutet aber auch, daß im besten Fall mindestens dreiviertel der wissenschaftlichen Beiträge den jeweiligen Begriff zur Charakterisierung nicht heranziehen. Es gibt eine Ausnahme bei den von Newton et al. (2020) untersuchten Begriffen, der Begriff „Bodengesundheit“ (soil health) wird zur Charakterisierung in 40 Prozent der wissenschaftlichen Beiträge verwendet. Aber genau dieser Begriff selbst hat keine verbindliche Bedeutung oder ist sogar unsinnig, wenn bedacht wird, daß Gesundheit Organismen zugeordnet wird und der Boden kein Organismus ist. Ein sehr renommierter Bodenkundler, der sich schon lange mit der Nachhaltigkeit von Bodennutzungssystemen befasst, D. S. Powlson, hat in einem Beitrag zu „Soil health“ klargestellt, daß in wissenschaftlicher Hinsicht Bodengesundheit kein sinnvolles Konzept darstellt (Powlson, 2020). Und dieser Begriff hat immerhin in 40 Prozent der wissenschaftlichen Publikationen zur „regenerativer Landwirtschaft“ das Gemeinsame dargestellt, aber wurde von 60 Prozent der Artikel nicht erwähnt. Hier ist ein Vergleich zum Organischen Landbau nützlich. Auch für einige Vertreter des organischen Landbaus ist Bodengesundheit ein zentraler Begriff; dennoch taucht dieser, wenig fassbare und auch wenig aussagende Begriff in keinem Katalog zur Charakterisierung des organischen Landbaus auf. So zeigt sich auch hier die Beliebigkeit und Willkür der Umgrenzung „regenerativer Landwirtschaft. 

Der Charme des „regenerativen Landbaus“ für die oben erwähnten Konzerne der Ernährungsindustrie liegt vermutlich gerade in der Beliebigkeit und Willkür. „Regenerativer Landbau“ so wie dieser heute darbietet, hat nichts mit Nachhaltigkeit, mit Kreislaufwirtschaft, mit effizienter Nutzung von Ressourcen zu tun. Das schließt nicht aus, daß einzelne Vertreter dieses Begriffs, Landwirte oder Konsumenten, sinnvolle und weiterführende Inhalte damit verbinden. Es ist jedoch absehbar, daß die dahinterstehenden wirtschaftlichen Kräfte mehr noch als beim organischen Landbau diese Form kompatibel machen und zuschneiden auf und für die globalen Konzerne der Nahrungsmittelkette, eben ohne Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft.

Literatur

Newton P. et al. (2020), What is regenerative agriculture? A review of scholar and practitioner definitions based on processes and outcomes. Front. Sustain. Food Syst. 4: 577723.

Powlson, D. S. (2020), Soil health- useful terminology for communication or meaningless concept? Or both? Front. Agr. Sci. Eng. 7, 246- 250. 

Uldrich, J. (2021), Regenerative agriculture: The next trend in food retailing. Forbes.com, 19. 8. 2021.           

Sind die erneuerbaren Energien aus Biomasse, Wind oder Sonne nachhaltig?



Zusammenfassung und Schlussfolgerung
Die heutigen, als erneuerbar definierten Methoden der Energiegewinnung und Energieverarbeitung sind weder erneuerbar, noch nachhaltig. Ein Teil dieser Energien – Kraftstoffe aus Mais, Zuckerrübe und Ölpflanzen, Mais zur Biogasgewinnung – erhöht die Emission von Treibhausgasen. Energiegewinnung, welche elektrische Energiesysteme benötigt, mangelt es an einer langfristig gesichertern Versorgung mit den notwendigen Rohstoffen. Damit sind diese Systeme nicht nachhaltig und damit ebenfalls nicht erneuerbar.
Welche machtpolitischen Interessen stehen hinter einer solchen sachlichen und terminologischen Fehlentwicklung in Deutschland?
Ein mögliches Motiv für diese Entwicklung besteht in der umfassenden Einführung von CO2-Zertifikaten, mit denen über teilweise irrationale Besteuerungen jede Art von Wirtschaftsentwicklung unter dem Oberbegriff „Klimapolitik“ durchgesetzt werden kann, auch ohne sachliche Basis.
Es geht hierbei um eine besonders rigide Form von Machtpolitik, aber nicht im Geringsten um nachhaltiges Wirtschaften oder Umweltschutz.

Einleitung
Diese Frage, ob erneuerbare Energien aus Biomasse, Wind oder Sonne nachhaltig sind, weist schon auf die Begriffsverwirrung hin, die hier herrscht.
Durch den Begriff „erneuerbar“ wird schon unterstellt, daß diese Energien nachhaltig sind, das heißt langfristig wirksam sein können. Die Frage der Nachhaltigkeit der erneuerbaren Energien bedarf jedoch einer Überprüfung. Die gesamte Diskussion um die „Klimapolitik“ ist in den Sog politischer und medialer Machtinteressen geraten. Und in diesem Sog stehen auch die Natur- und Technikwissenschaften, die sich diesen Interessen unterordnen müssen, um eine Versorgung mit Forschungsgeldern sicherzustellen. Zwei Anmerkungen erscheinen vorab notwendig.
1. Einer der Gründungsväter der Partei „Die Grünen“, der aus der CDU stammende Herbert Guhl, hat 1976 den deutschen Klassiker der Umweltbewegung veröffentlicht: „Ein Planet wird geplündert“. Darin beschreibt er schon zwei technokratische Irrtümer des Umweltschutzes, nämlich die Illusion der Stoffsubstitution, d.h. jeder Rohstoff ist ersetzbar und zum zweiten die Illusion, daß technische Probleme der Gegenwart durch zukünftige Innovationen technisch gelöst werden können. Diese beiden ideologischen Annahmen sind aktuell von großer Bedeutung bei der Stromgewinnung aus Windanlagen und Solarzellen. Beide Arten der Stromgewinnung funktionieren nur intermediär und benötigen deswegen dringend Speichermedien. Und genau an dieser Stelle sind es die knappen Batterierohstoffe wie Lithium oder Kobalt, die eben großtechnisch nicht ersetzbar sind. Die gesamte Kette der Gewinnung von Elektroenergie und des Verbrauchs hängt daran. Das irrationale Vertrauen auf zukünftige Entwicklungen zeigt, daß aus Rohstoffgründen Strom aus Wind und Sonne nicht nachhaltig produziert werden kann und damit auch nicht erneuerbar ist.
Der Umweltschützer Herbert Guhl trat wenige Jahre nach Gründung aus der Partei „Die Grünen“ mit einigen Mitstreitern aus, nachdem sie von ehemaligen K-Gruppen Funktionären Ende der siebziger bis Anfang der achtziger Jahre gekapert wurde, in der Hoffnung, mit Hilfe des Umweltschutzargumentes die Ideologie der grundlegenden Transformation der freien westlichen Gesellschaften umzusetzen. Beispiele für ehemalige K-Gruppen Funktionäre sind W. Kretschmann, J. Trittin und R. Fücks – alle bis heute einflussreiche Politiker. Guhl erkannte damals, daß die grüne Partei Opfer einer feindlichen Übernahme geworden war.

2. Die Energiegewinnung aus Kohle, Erdgas und Erdöl sowie aus der Kernspaltung ist nicht nachhaltig, das heißt langfristig werden die Vorräte aufgebraucht. Der Beitrag dazu von Thomas Hoof, 2018 in der Vierteljahreszeitschrift Tumult erläutert dies sehr eindringlich. Das aber heißt, es gibt politischen Handlungsbedarf, die Energieversorgung auch in Zukunft sicherzustellen. Ob es daher aber sinnvoll ist, die existierenden Vorräte an Kohle, Gas und Erdöl in Deutschland nicht mehr zu nutzen, ist noch nicht einmal eine Frage. Für jedes in Deutschland jetzt stillgelegte Kohlekraftwerk werden in den nächsten Jahren unter anderem in China, Russland und Indien zehn bis hundert neue Kohlekraftwerke in Betrieb genommen.


Erneuerbare Energien?
Unter dem Oberbegriff „Erneuerbare Energien“ werden verschiedene Methoden der Energiegewinnung und Energieumformung zusammengefasst: Wasserkraft, Windkraft, Solarenergie und Biomasse. Die Energiegewinnung aus Wasserkraft ist in Deutschland eine Form mit langer Tradition. Ebenso ist die energetische Nutzung von Holz ein traditionelles Verfahren. Sofern mengenmäßig nicht mehr Holz verwertet wird, als nachwächst, so ist dies eine erneuerbare und darüberhinaus nachhaltige Weise der Energiegewinnung. Wie ernst es der EU-Politik mit erneuerbaren Energien ist, kann daran abgelesen werden, daß das EU-Parlament seit Kurzem Holz als lediglich bedingt nachhaltig einstuft. Die Beschlussvorlage für das Parlament sah sogar vor, Holz als nicht nachhaltig einzustufen.
Neue „erneuerbare Energien“ sind die Stromgewinnung aus Wind und Sonne und aus Biogas unter dem Einsatz von Mais. Dazu kommt die Produktion von Biodiesel und Alkohol als Treibstoffzusatz aus Ölfrüchten wie Raps und Zuckerrüben oder ebenfalls Mais.
Die Stromgewinnung ist für die neuen, erneuerbaren Energien zentral. Wenn also diese Formen der Stromgewinnung erneuerbar und damit nachhaltig sein sollen, so muß neben der langfristigen Bereitstellung der Energie auch die langfristige Verfügbarkeit derjenigen Rohstoffe in großtechnischem Maßstab gegeben sein, die für den Betrieb und die Errichtung von Windkraftanlagen, Solarplatten und Batterien für Elektrofahrzeuge notwendig sind. Dies sind beispielsweise Lithium, Kobalt, Kupfer, verschiedene seltene Erden, um nur einige der notwendigen Rohstoffe aufzulisten.
Diese Bilanzierung wird nicht unternommen, vermutlich weil die Bereitstellung in großen Maßstab nicht möglich ist oder ein perfektes Recyclingsystem voraussetzen würde. Aber hier behelfen sich die Akteure mit denselben politischen Taschenspielertricks, die schon Herbert Guhl 1976 beschrieben hat: Dem Verweis auf zukünftige Stoffsubstitution und auf zukünftige technische Innovationen.
Eine dieser aktuellen Science-Fiktion Visionen ist die Speicherung von Wind- und Sonnenenergie in Form von Wasserstoff, H2. Dies ist die politisch erhoffte Lösung der Energiespeicherprobleme in der Zukunft, präzise die Tatsache ignorierend, daß an der industriellen Nutzung der Wasserstofftechnik in großem Maßstab seit mehr als sechzig Jahren gearbeitet wird, ohne daß diese Technologie bis heute großtechnisch eingesetzt wird.
Der ursprüngliche Antrieb, die „Erneuerbaren Energien“ Wind und Sonne zu nutzen, kam aus dem Bestreben, den Anstieg der Treibhausgasemissionen in die Luft, vor allem Kohlendioxid (CO2) und Lachgas (N20) aus Gründen des „Klimaschutzes“ zu begrenzen oder den Trend sogar umzukehren. Dabei konzentriert man sich in den westlichen Industriestaaten bis heute fast ausschließlich auf das Verbot der Verbrennung von Kohle, Erdgas und Erdöl. Allerdings wird weltweit der Anstieg der CO2-Konzentrationen der Luft – je nach wissenschaftlicher Quelle 30-80% – auf die Freisetzung von Kohlendioxid aus Böden aufgrund einer anthropogen veränderten land- und forstwirtschaftlichen Bewirtschaftung zurückgeführt. Wenn es also das politische Ziel wäre, die Emission von Treibhausgasen zu begrenzen oder umzukehren, dann wäre es Aufgabe von Agrar- und Forstpolitik, eine solche Bewirtschaftung zu unterstützen, die die Kohlenstoff-Speicherung in den bewirtschafteten Böden erhöht. Eine solche Politik gibt es, trotz vielfältiger gegenteiliger Bekundungen, nicht. Die politischen Entscheidungen zur „Klimapolitik“ haben nichts mit einem wie auch immer verstandenen Klimaschutz zu tun. Mehr noch, der Agrarbereich rückt mehr und mehr in das Zentrum als Verstärker der Treibhausgasemissionen. Dies gilt besonders, weil der staatlich subventionierte Anbau von Energiepflanzen ein zunehmend wichtiger Verstärker der Lachgas- und Kohlendioxidemissionen ist: Die Erzeugung von Biogas-Strom aus Mais, die Produktion von Biodiesel beispielsweise aus Raps oder die Erzeugung von Alkohol als Benzinzusatz aus Mais oder Zuckerrüben. All diesen Pflanzen ist gemeinsam, daß sie sehr intensiv, mit hohen Stickstoffdüngergaben angebaut werden, wodurch die Lachgasproduktion und Emission in besonderer Weise erhöht wird. Dazu kommt, daß mineralische Stickstoffdüngemittel unter hohem Energieaufwand industriell erzeugt werden. Zwischen 3 und 5 % des weltweiten Erdgasverbrauchs werden allein für die Ammoniakherstellung für mineralische Stickstoffdüngemittel verbraucht. Unter anderem führt dies dazu, daß die Energieausbeute von Biogasstrom aus Mais im Verhältnis zur eingesetzten Energiemenge sehr schlecht ist und unter ungünstigen Bedingungen den Wert 1 erreicht.
Weiterhin beanspruchen Energiepflanzen den Gehalt an organischer Substanz im Boden in hohem Maße, sorgen also für erhöhte CO2-Emissionen aus Ackerböden.
Der Einfluss des Ausbaus der hier aufgeführten Energiepflanzen auf die Emission von Treibhausgasen ist in der Wissenschaft schon lange bekannt. Vor mehr als zehn Jahren veröffentlichte eine Gruppe von in diesem Feld renommierten Wissenschaftlern dazu einen Übersichtsartikel, in dem es zu dem Energiepflanzenanbau unter anderem heißt (Übersetzung J.G.): „…Erweiterte Bioenergieprogramme können umgekehrt die terrestrischen CO2-Emissionen global erhöhen… Verstärkte Produktion von erste-Generation Energiepflanzen können zudem noch die N2O-Emissionen erhöhen, eine großer Flächenanteil dieser Feldfrüchte werden für eine maximale Produktion gedüngt“ (Reay et al., 2012, Nature Climate Change, 2, S. 410- 416). Bezüglich dieser Energiepflanzen der „ersten Generation“ ist der weitere Ausbau ein Verstärker der Erhöhung der Emission von Treibhausgasen weltweit. Ob aber zukünftige Energiepflanzen in der Hinsicht auf die Emission von Treibhausgasen erfolgreicher sind, entscheidet nicht Wunschdenken renommierter Wissenschaftler, sondern die zukünftige, gesamtgesellschaftliche, wirtschaftliche Entwicklung.
In jedem Fall sind die Intensivlandwirtschaft und die Intensivierung immer weiterer Teile der landwirtschaftlichen Flächen der Verstärker des Anstiegs der Treibhausgasemissionen. Eine hohe Düngung mit mineralischen Stickstoffdüngern ist direkt und indirekt verantwortlich für den Anstieg der N2O-Emissionen aber auch für das sinkende Bindungsvermögen von Böden für Methan, dem dritten bedeutsamen Treibhausgas.
In Deutschland werden mittlerweile rund 20% der Ackerflächen mit Energiepflanzen bebaut – Mais, Raps und Zuckerrüben – für die Treibstoffgewinnung und für Biogas-Strom. Gleichzeitig ist die deutsche, wie auch die EU-Landwirtschaft insgesamt nicht in der Lage, den Eiweißbedarf der Bevölkerung sicherzustellen. Deswegen werden, vor allem als Viehfutter, sieben Millionen Tonnen Sojaprodukte als Eiweißfutter zur Erzeugung von Milch, Eiern, Schweinefleisch, Rindfleisch und Geflügel nach Deutschland importiert. Die vermeintliche Rolle Deutschlands als Energie-Vorreiter wird mit einer gravierenden Abhängigkeit von Eiweißimporten erkauft.
Und während durch das EU-Parlament Holz nur noch als eingeschränkt nachhaltig in der EU klassifiziert wird, wird die Erzeugung von Biogas in Deutschland nochmals ausgeweitet, obwohl zur erfolgreichen Biogasgewinnung der Anbau von Mais erforderlich ist.
Darüber hinaus werden die Potentiale der Landwirtschaft, die Treibhausgasemissionen in Deutschland zu begrenzen, nicht nur nicht genutzt, sondern die industrielle Intensivlandwirtschaft, sei es nun als industrielle „Ökolandwirtschaft“ oder als konventionelle Landwirtschaft ist das agrarpolitische Ziel.
Daraus kann die Schlussfolgerung gezogen werden, daß es bei den politischen Gesetzen und Verordnungen zum „Klimaschutz“ nicht um die Reduktion der Treibhausgasemissionen geht.
Was aber ist dann der Grund für diese Art der „Klimapolitik“?
Letztlich kann diese Frage aufgrund der fehlenden sachgerechten Begründung durch die Politik nur ansatzweise beantwortet werden. Es erscheint jedoch plausibel, daß hiermit ein grandioser finanzieller Verschiebebahnhof geschaffen wird. Und zwar in Form von CO2-Zertifikaten. Es geht dabei darum, was als klimaschützend definiert wird und nicht was tatsächlich eine nachhaltige Bewirtschaftung fördert.



Die Naturwissenschaften im Würgegriff von Politik und Medien

 II. Der “Klimaschutz” in Deutschland 

Zusammenfassung

Während politisch am Ausstieg aus der Nutzung von Öl, Kohle und Gas gearbeitet wird, vermeintlich aus „Klimagründen“, ist gleichzeitig die Industrialisierung der Landwirtschaft, auch des organischen Landbaus Ziel aller politischen Bemühungen. Der Boden ist ein bedeutendes Feld für den weltweiten CO2-Haushalt. Er kann Kohlenstoff binden aber auch freisetzen. Eine noch im Jahr 2000 ausgeglichene Bilanz für die Treibhausgasemissionen aus den europäischen Böden ist Vergangenheit. Doch dieses Feld wird politisch wenig beackert. Dabei führt vor allem die Industrialisierung der europäischen Landwirtschaft zu einer Nettotreibhausgasemission aus den landwirtschaftlichen Böden, die den Effekt der Reduktion der fossilen Energieverbrennung mittlerweile übersteigt. Gerade der Anbau der Energiepflanzen, Mais und Raps führt zu einem Anstieg der Emissionen von Kohlendioxid und vor allem Lachgas und Methan aus Böden. Die angekündigte Energiewende kann deswegen zu einem Zuwachs an Treibhausgasemissionen in Europa führen. Die Rolle der Naturwissenschaftler in diesem Spiel besteht aus ein bißchen leiser Kritik, im besten Fall Forschung zum Status quo und vor allem gnadenlose Anpassung an die Form und den Inhalt des politisch-öffentlichen Diskurses zum „Klimaschutz“         Weiterlesen

Die Naturwissenschaften im Würgegriff von Politik und Medien

  1. Das Problem

Eines der dümmsten Ratschläge in öffentlichen Diskussionen zum richtigen Handeln lautet, spätestens seit 2020 in einer Art Neudeutsch „Follow the science“- folge der Wissenschaft.

Dumm ist dieser Ausspruch, weil weder das Folgen noch der Begriff der Wissenschaft dabei geklärt sind. Science im anglo-amerikanischen Sprachraum meint in der Regel Naturwissenschaft. Aber Naturwissenschaften geben keine Handlungsanweisungen. Und das Folgen in dem Eingangsspruch klärt und bestimmt nichts. Eine Steigerung dazu ist es, wenn Akteure behaupten, daß sie selbst Wissenschaft repräsentieren würden. Weiterlesen

Der Verkauf der bundeseigenen Landwirtschaftsflächen der BVVG soll gestoppt werden – hat dies eine agrarstrukturelle Bedeutung?

Die neue Bundesregierung hat im Agrarbereich für die eigene Politik damit geworben, daß der Verkauf der landwirtschaftlichen BVVG-Flächen des Bundes eingestellt wird. Einige Verbände und NGOs applaudieren schon jetzt, obwohl überhaupt nicht klar ist, ob es zu dem angekündigten Verkaufsstopp kommt.

Um die Bedeutung eines möglichen Verkaufsstopps auszuloten, muß die Chronologie der Bodenpolitik in Ostdeutschland in den letzten 30 Jahren kurz rekapituliert werden. Weiterlesen

Warum wird dem Getreidelieferungsabkommen zwischen Russland und der Ukraine in den Medien so viel Raum eingeräumt?

Russland und die Ukraine haben Vereinbarungen getroffen,  das in den ukrainischen Häfen festliegende Getreide wieder exportierbar zu machen. Dies war zentrale, koordinierte Nachricht z.B. in Tagesschau, SZ, NDR, MDR, Zeit, Stern, DLF. Weiterlesen

Die deutsche und die EU-Agrarpolitik kommen in der Krise an ihre Grenze

Bisher wird davon ausgegangen, daß sowohl die deutsche als auch die EU-Landwirtschaft besonders produktiv sind und daß durch bürokratische Regelungen die Landwirtschaft zusätzlich nachhaltig werden kann.

Diese politisch-bürokratische Perspektive, daß man technisch-biologisch-chemische Entwicklungen in der Landwirtschaft im Nachhinein nur bürokratisch zu regulieren braucht, um eine gewünschte Produktionsweise zu erhalten, ist in sich schon so inkonsistent, daß diese Auffassung einer ernsthaften Überprüfung nicht standhält.    Weiterlesen

Die Energiewende – eine kleine Analyse

Die rot-grün-gelbe Bundesregierung hat ein Programm für „Klimaschutz und Energiewende“ beschlossen, für das bis 2026  die Summe von 200 Milliarden EUR verwendet werden soll.

Was hat es damit auf sich? Was den „Klimaschutz“ betrifft, so wurde gezeigt, daß ohne Betrachtung der Treibhausgasemissionen aus Böden mehr als 90% der Treibhausgasemissionen ignoriert werden.

Was aber bedeutet „Energiewende“ für eine Bundesregierung, an der die „Grünen“ beteiligt sind? Weiterlesen

Verbote, Irrwege und Ignoranz – nichts Neues in der Klimapolitik

Genau wie die Vorgänger-Regierung tut die neue SPD/Grüne/FDP-Bundesregierung wenig um die Emissionen klimarelevanter Spurengase zu reduzieren. Sie setzt auf Verbote von fossilen Brennstoffen und auf die Nutzung von Biomasse statt die Bedeutung des Bodens zu sehen und eine Veränderung der Landwirtschaft zu unterstützen.

Die jetzige Bundesregierung plant ein 200 Milliarden EUR umfassendes Paket zu verabschieden, das „Klimaschutz“ und „Energiewende“ voranbringen soll.

Klimaschutz kann übersetzt und operationalisiert werden durch Reduktion der Emission klimarelevanter Spurengase, wobei die Emission von Kohlendioxid (CO2),  Lachgas (N20) und Methan (CH4) am wichtigsten ist.

Für die folgenden Überlegungen sollen zwei Annahmen zugrunde gelegt werden: Weiterlesen

Juristische Personen als landwirtschaftliche Großgrundbesitzer werden weiterhin von einer Koalition aus Grüne/SPD/CDU/CSU steuerlich bevorteilt. Bundestag und Bundesrat stimmen einer marginalen Reform der Grunderwerbssteuer zu!

Die Tatsache, daß in Ostdeutschland die Konzentration von Agrarland so hoch ist, ist auch gesetzlichen Regelungen zu verdanken, die juristische Personen  gegenüber natürlichen Personen bevorteilen. Beim Kauf von Anteilen einer AG oder GmbH fällt solange keine Grunderwerbssteuer an, solange der Anteilskauf bei unter 95% bleibt. Weiterlesen